bauhäusle

marianne schreiner . dipl.ing.(fh) . baubiologin ibn

Man nehme ….

2 Kommentare

3 Pfund Lehm
1/2 Liter Wasser
5 Hand voll Stroh

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Das ist natürlich Unsinn, aber das Arbeiten mit Lehm erinnert mich wirklich immer wieder an Kuchen backen. Lehm ist ein wunderbar kreativer und ausdauernder Baustoff. Man kann sich nach Herzens Lust ausprobieren, jeder kann mitmachen, völlig ungefährlich und jederzeit wieder auflösbar und wiederverwendbar.

Nun weiß ich ja, dass das nicht den üblichen Ansprüchen an Hausbau entspricht, daher hier eine kleine Anleitung für eine historische Technik, die wirklich dauerhaft funktioniert:

Ich habe vor kurzem, wie hier schon erwähnt, eine Bauherrin angeleitet, eine historische Lehmwickeldecke in ihrem Fachwerkhaus zu sanieren. Und das ging so:

1. Holzbalken und Staken der bestehenden Decke auf Tragfähigkeit prüfen und gegebenenfalls ausbessern

2. Lose Lehm- und Putz-Teile entfernen

3. Alle angrenzenden Bauteile säubern und entstauben

4. Stakenhölzer vorbereiten (vorhandene wieder verwenden oder alternativ Dachlattenabschnitte)

5. Aus langem Stroh und eingesumpftem Lehm Lehmstränge herstellen und damit die Stakenhölzer umwickeln

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6. Das Ganze in die Nuten der Deckenbalken bis zur bestehenden Deckenfüllung einschieben

7. Entsprechend weiter verfahren und dicht zusammenschieben (Schwund bei der Trocknung) bis das Loch gefüllt ist

8. Nach weitgehender Trocknung der Lehmstaken wird die Decke von unten und von oben mit einem Strohlehmgemisch glatt verstrichen und anschliessend für den Putzauftrag evtl. mit Putzträger vorbereitet.

Hier seht ihr das Zwischenergebnis mit Hilfe meiner Anleitung, den Rest konnte die Bauherrin allein erledigen und wie ich vernommen habe, hat sie es schnell geschafft, das Loch ist geschlossen.

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Einfach, ökologisch, preiswert. Was bleibt ist die Arbeit, aber Menschen mit alten Häusern macht das bekanntermaßen ja Spaß und noch mehr, wenns in Gemeinschaft ausgeführt wird.

Früher hießen die Lehmbauer übrigens Kleiber, aber davon erzähl ich euch ein andermal mehr….

Lehmige Grüße zu euch ins WorldWideWeb,

Marianne

2 thoughts on “Man nehme ….

  1. Liebe Christine,
    ich bin überwältigt … danke!
    Und deine Baustelle ist alles andere als bescheiden. So viel Mut, sich eines Objekts in der Größenordnung wie deine Töpferei anzunehmen, hat nicht jeder.
    Alle Achtung!
    Marianne

  2. Liebe Marianne,

    ich wollte an dieser Stelle einmal ausdrücken, wie bedeutungsvoll du für meine bescheidene Baustelle bist…du, der einzige Mensch den ich kenne, der wirklich zu verstehen scheint, was mir wichtig ist und wie ich, die Schönheit des Bestandes wahrnimmt. Ich bin sehr, sehr dankbar, dich zu kennen und dich mit all deinen Erfahrungen und deinem Wissen in Anspruch nehmen zu können.

    Es ist jedes mal ein Meilenstein in der Geschichte “meines” alten Hauses, wenn du kommst und mir die Richtung weist. Mit Ruhe und Geduld, scharfsinnige Lösungen zu finden, so wie spontan mit irgendwo im Haus vorhandenen Hilfsmitteln (und bei mir gibt´s schon ganz schön viel Zeug) etwas Großartiges zu bewirken, um so ein Vorhaben durchführbar zu machen.

    Deine natürliche Gelassenheit “das wird schon, notfalls fangen wir wieder von vorne an” nimmt mir die Angst, die manchmal kommt, etwas nicht im Sinne des Hauses zu machen und deine klare Art zu denken und etwas auf den Punkt auszudrücken, begeistert mich immer wieder.

    Du bist einfach WUNDERBAR!

    Christine

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